Naturpark-Projekt 2017 - Beiträge zur nachhaltigen Regionalentwicklung im Naturpark Barnim

Beitrag der Bürgerstiftung Barnim Uckermark

Wandlitzer Bürgergesellschaft für Naturerhalt und Flächenentsiegelung

Glücksfall für die Natur im Wandlitzer Raum - So bezeichnete Revierförster Dirk Weier das Engagement der ca. 40 Wandlitzer Bürger, die unter dem Dach der Bürgerstiftung Barnim Uckermark als Stifter und Spender die finanziellen Mittel zum Erwerb des sogenannten Europa-Garten-Areals am Liepnitzweg in Wandlitz bereitstellten. Das Grundstück befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Wohnbebauung im Gebiet der Außenbereichsatzung „Lanker Weg“ und ist ca. 5 Laufminuten vom Liepnitzsee entfernt.

Aufgrund des vorgelegten Renaturierungskonzeptes, das eine besonders naturschonende und daher langfristige Entsiegelung und Beräumung des Geländes zum Inhalt hat, gewann das Bieterverfahren um das 1,7 ha große Grundstück dann auch tatsächlich die Bürgerstiftung Barnim Uckermark. So werden zum Beispiel unterirdische Bauwerke, wie Brunnen und Zisterne zu Fledermausquartieren entwickelt und nicht abgerissen. 15 Jahre lang schlummerte das ehemalige Ferienheim einen Dornröschenschlaf, der dazu führte, dass große Mengen an Totholz vorhanden sind und sich sogar streng geschützte Pflanzen und Tiere ansiedeln konnten. Dieses Totholz verbleibt vor Ort, in der Vegetations-, Brut- und Setzzeit wird das Gelände nicht betreten. Fachliche Begleitung sagten bereits jetzt der Architekt Manfred Thon, die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Barnim, Revierförster Weier und Frau Prof. Wolff von der HNEE zu. Um dieses Renaturierungsprojekt und das damit verbundene Modell der gelebten Bürgergesellschaft einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, beteiligten sich die Initiatoren auch am Wettbewerb um das Naturparkprojekt 2017 des Naturparks Barnim. (Text: Torsten Stapel - Bürgerstiftung Barnim Uckermark)

Beitrag der Gemeinde Wandlitz

Neues Zuhause für Fledermäuse in alter Trafostation

Viele Fledermausarten sind Kulturfolger. Seit Jahrhunderten leben sie in der Nähe menschlicher Siedlungen. Sie nutzen Dachböden zur Aufzucht ihrer Jungtiere, Keller zum Überwintern und Grünanlagen zum nächtlichen Jagen. Durch Sanierung oder Abriss gingen vor allen Dingen seit der Wende viele fledermausfreundliche Bauwerke, z. B. alte Wohn- und Stallgebäude oder stillgelegte Industriebetriebe, für die Tiere verloren.

In der Gemeinde Wandlitz wurde jetzt für die kleinen Flugakrobaten in einer alten Trafostation ein neues Domizil geschaffen. Mit vergleichsweise geringem Aufwand an Material, Arbeitszeit und finanziellen Mitteln konnte der prägnante Turm in der Warthestraße erhalten werden und hat jetzt einen neuen Zweck: den Schutz von Tierarten.

Das Dach wurde saniert und sowohl im Innen- wie im Außenbereich wurden witterungsbeständige Holzplatten mit einem engen Abstand zur Gebäudewand angebracht. Dahinter finden heimische Fledermäuse Spalten, in denen die jungen Fledermäuse geboren und aufgezogen werden, sogenannte Wochenstuben. Auch während der Balzzeit im Herbst oder als Zwischenquartier während des Zuges werden solche „Fledermaus-Großkästen“ gerne aufgesucht. Kältetolerante Arten, wie Zwerg-, Breitflügel- oder Mopsfledermaus nutzen derartige Plätze sogar zum Überwintern.

Aber nicht nur für diverse Fledermausarten bietet der ehemalige Trafoturm jetzt ein neues Zuhause. Auf der Rückseite des Turmes wurden vier Holzbetonkästen für den Mauersegler angebracht. Denn auch dieser wendige Flieger verlor in den letzten Jahren zahlreiche Brutplätze. Im Inneren des Trafoturms befinden sich vier Kunstnester für Rauchschwalben. Und auch Plätze für sogenannte Nischenbrüter, wie Fliegenschnäpper, Bachstelze oder Hausrotschwanz, wurden im Turminneren geschaffen.

Das Projekt hatte einen Kostenumfang von insgesamt ca. 11.000 Euro. Neben finanziellen Mitteln der Gemeinde Wandlitz wurde es von der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg mit mehr als 6.000 Euro aus Zweckerträgen der Lotterie GlücksSpirale gefördert. Die bauliche Ausführung erfolgte durch den Förderverein Naturpark Barnim und die NANU GmbH aus Berge/Prignitz.

Beitrag des Hebewerk e. V. Eberswalde

Die Wirkung der offenen Räume des Hebewerk e.V. auf die nachhaltige Entwicklung des Naturpark Barnim

Im Jahre 2014 konnten die fünf Initiativen: Freiraum, die Barnimer Energie- und Kulturwendebewegung WandelBar, Tauschring Eberswalde, ALNUS e.V. (Arbeitsgemeinschaft für Landschaftspflege, Naturschutz, Umweltbildung und Stadtökologie Eberswalde) und der Hebewerk e.V. nach einem mehrmonatigen politischen Prozess die Stadtverordneten zur Unterstützung ihres Anliegens, der Schaffung von offenen Kultur-, Kreativ-, und Ermöglichungsräumen in Eberswalde, überzeugen.

Alle Mitglieder, Nutzer, Gruppen und Organisatoren im Hebewerk e.V. arbeiten ehrenamtlich und organisieren sich mit der Einbindung einer breiten Community. Eine Finanzierung von Personen für allgemeine Organisation und Aktivitäten in den Räumlichkeiten ist bewusst nicht erwünscht, da dies Eigenschaften wie Neid, Missgunst und abnehmende Motivation fördert und ein Hemmnis für eine einladende offene Kultur darstellt. Das Projekt der Schaffung von offenen Räumen ist damit abgeschlossen. Auf deren Basis gedeihende, bis heute anhaltenden sowie neue Aktivitäten haben meist einen Bezug zu nachhaltigen Regionalentwicklung und werden im Folgenden vorgestellt:

Tausch- Leih- und Schenkeladen/ Zwischenraum E69

Der Tausch- Leih- und Schenkeladen in der Eisenbahnstraße 69 ist geöffnet zum schenken und sich beschenken lassen, zum leihen und verleihen, zum tauschen, umtauschen und austauschen. Dies schont den Geldbeutel und spart wertvolle Ressourcen, durch erneute und Mehrfachnutzung. Die Zugangsschwelle ist damit für Menschen aller Altersgruppen und ganz besonders für die mit kleinem Geldbeutel besonders niedrig.

Schöpfwerk

Das Schöpfwerk ist ein kleines Ladengeschäft in der Schöpfurter Straße 5 mit einer Vielzahl von kleinen Werkstätten: Linol- und Siebdruck, Malerei, Näh-, Seifen- und Schmuckwerkstatt, Café und Küche. Die Idee ist die, dass nicht nur der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, sondern auch Konsum kritisch hinterfragt wird.

Zwischenraum H15 und Hebewerk e.V. gesamt

Der ca. 400m² größte Standort, Zwischenraum H15 in der Havellandstraße 15, lebt von der Idee, Menschen einen offenen Raum für kreative und technische Aktivitäten zu ermöglichen. Wir wollen jenseits des urbanen Ballungszentrums Berlin mit Hilfe von Basisinfrastruktur, niederschwelligen Gemeinschaftsräumen und Kleinlaboren, Menschen und Gruppen Raum geben für Ihre Ideen, Projekte und Themen.

Die daraus entstandenen Gruppen, Aktivitäten und Initiativen sind vielfältig und besonders die Folgenden tragen zur nachhaltigen Regionalentwicklung im Barnim bei: Im Repair Café können elektrische Geräte unter Anleitung repariert werden oder jeder kann selbst Anleiter/in werden und somit aktiv etwas für den Klimaschutz, gegen die allgegenwärtige Wegwerfmentalität und geplante Obsoleszenz tun. Mittels selbstgebauter Lastenräder möchte man diese umweltfreundliche Fortbewegungs- und Transportmethode in Eberswalde und Umgebung vorantreiben. Die selbstgebaute Saftpresse kann sich jeder ausleihen und sie steht allen Interessierten gegen Spende zu den Eberswalde Safttagen zur Verfügung. Die Bevölkerung aus Eberswalde und Umgebung kann so selbst Saft, Most, Wein, Cidre aus Obstallmenden und Obst aus dem eigenen Garten herstellen. So konnten schon viele Tonnen Obst gerettet und zu leckeren Getränken verarbeitet werden. Ein BioLab ist in der Entstehungsphase. Dort wird den Interessierten über den Mikrokosmos die vielfältigen biologischen und chemischen Vorgänge in der Natur wieder näher gebracht. Der Vegetarierbund Barnim/ Animals Rights Watch Barnim macht mittels Aktionen auf Massentierhaltung und Tierquälerei aufmerksam. Die TableTop Gruppe experimentiert vielfach mit Müll und mit von der Gesellschaft nicht mehr benötigten Sachen um daraus als kleine Herausforderung Figurenmodelle und Geländestücke zu entwerfen. Im H15 ist das Start-Up BioInspiration aufgeblüht, dass mittels einer weltweiten Crowdfundingkampagne das erste flexible 3D Drucker Material auf Pflanzenstärkebasis auf den Markt gebracht hat. Die Idee der beiden Gründer kam auf dem Spielplatz, als beide Väter feststellten, wie viel umweltschädliches Plastik durch abgebrochene oder zurückgelassene Teile von Kinderspielzeug in die Umwelt kommt. Der USE-IT Stadtplan Eberswalde ist mit 15.000 Stück Auflage erst die vierte Stadt, neben Aachen, Dresden und Düsseldorf, in der das Use-it Stadtplan Konzept verwirklicht wurde. Jungen Einheimische, die ihre Stadt lieben, schaffen einen Stadtplan für junge Besucher und Touristen auf Englisch. Freifunk hingegen ist eine nichtkommerzielle Initiative, die sich dem Aufbau und Betrieb eines freien Funknetzes, das aus selbstverwalteten lokalen Computernetzwerken besteht, widmet. Die Mitglieder der Initiative vor allem die Ausstattung von Flüchtlingsunterkünften mit Freifunk-Routern im Landkreis Barnim und darüberhinaus.

Beitrag der Gemeinde Glienicke/Nordbahn und der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Wege zum Naturerleben – Moorwanderweg verbindet Glienicke/Nordbahn in Brandenburg und Hermsdorf/Lübars in Berlin

Gemeinsam haben die Gemeinde Glienicke/Nordbahn und die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg in den Jahren 2013 bis 2015 die historische Wegeverbindung zwischen Glienicke/Nordbahn und Hermsdorf/Lübars über den Eichwerder wieder zugänglich gemacht. Die Wegeverbindung folgt dem Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer in der Gemarkung Glienicke/Nordbahn und verläuft durch das NATURA2000-Schutzgebiet „Eichwerder Moorwiesen“.

Der Wanderweg erschließt damit auch einen großen zusammenhängenden Freiraum zwischen dem Berliner Bezirk Reinickendorf und der Gemeinde Glienicke/Nordbahn in Brandenburg in einem Europäischen Naturschutzgebiet (NATURA2000-Gebiet) für die Naherholung. Er wird inzwischen von der Öffentlichkeit intensiv genutzt und in der Region auch beworben. http://www.naturschutzbecher.de/eichwerder-moorwiesen/