Verjüngungskur für die Schönower Heide

Biotopeinrichtende Maßnahmen zum Erhalt ökologisch wertvoller Offenlandbiotope der FFH- Lebensraumtypen 2320 (Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis) und 4030 (Trockene europäische Heiden) auf dem Gebiet der „Schönower Heide“

Trockene europäische Heiden und Dünen mit offenen Grasflächen mit Silbergras und Straußgras haben innerhalb Europas einen besonderen Stellenwert. Um den Fortbestand dieser Lebensräume zu sichern, wurden dem Naturpark Barnim 336.294,00 Euro aus dem ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes) bewilligt.

Caluna Heide in Blüte im Jahr 2008 (Foto: Frank Liebke)

Heiden kommen meist auf armen, äußerst ertragsschwachen Sandböden vor. Diese trockenen, nährstoffarmen Offenlandschaften sind deutschland- und europaweit rar und stellen daher für zahlreiche trockenheits- und wärmeliebenden Arten ein Refugium dar.

Glattnatter lat. Coronella austriaca (Foto: Sebastian Hennigs)

Ausgedehnte Heidelandschaften sind ein Ergebnis intensivster Nutzung, die auch für ihren Fortbestand auf eben diese angewiesen sind.

In Brandenburg kommen sie auf ehemaligen Truppenübungsplätzen vor, wo sie durch jahrelange Panzereinsätze, Bodenverwundungen und wiederholte Flächenbrände auf den armen Sandstandorten entstanden.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Schönower Heide“ zeigten erste ökologische Untersuchungen schon kurz nach Beendigung des Militärbetriebes den hohen Naturschutzwert. Konnten 1992 noch 392 ha dieser Offenlandbiotope festgestellt werden, so waren es 2001 nur noch ca. 204 ha. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht, wie rasant der Gehölzaufwuchs in diesem Gebiet ohne gezielte Pflegemaßnahmen voranschreitet.

Die Gutachter zahlreicher tierökologischer Untersuchungen stimmten überein, dass die Bewahrung des verzahnten Mosaiks unterschiedlicher Sukzessionsstadien der Heide eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der vielfältigen Fauna im Gebiet ist.

Zur Erreichung dieser Zielstellung wurden seit 2000 mosaikartig verschiedene Pflegemaßnahmen wie Beweidung mit Schafen, Entbuschung, Mahd und kontrolliertes Brennen erprobt.

Die kurzzeitige Beweidung mit Schafen führte nicht zum gewünschten Verbisserfolg. Die Mahd stellte sich als ungeeignet heraus, da von Firmen für eine effiziente Mahd große zusammenhängende homogene Heideflächen benötigt werden. Kontrolliertes Brennen bedeutete einen hohen personellen und organisatorischen Einsatz.

So entschlossen sich 2009 die Berliner Forsten als Flächeneigentümer in Abstimmung mit der Naturparkverwaltung, ca. 140 ha des FFH - Gebietes „Schönower Heide“ mit Wildtieren zu beweiden. Zur Erfolgskontrolle der Wildtierbeweidung wurde begleitend von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde ein Monitoring durchgeführt. Im Ergebnis des Monitorings wurde geschlussfolgert, dass die Weidetiere einen unterstützenden Beitrag zum Offenhalten der Flächen leisten, doch langfristig zum Erhalt der Besenheidebestände auf weitere gezielte Pflegemaßnahmen nicht verzichtet werden kann.

In der Literatur wird die Lebensdauer von Besenheide mit ca. 25 - 30 Jahren angegeben. Für eine erfolgreiche generative Verjüngung wird empfohlen, dem Boden die jahrelange Rohhumusanhäufung mit Hilfe erprobter Verfahren wie Plaggen (das Abschieben von Altheiden, Rohhumus und Gräsern bis zum A-O Horizont) oder Schoppern (das Abschieben von max. 2 cm Rohhumus) zu entziehen.

Aufgrund der 25- jährigen Bestände der Besenheide im Gebiet ist im Rahmen des Projektes geplant, mit speziell konstruierten Plagg- und Schoppermaschinen die Vegetation mit einer Rohhumusschicht abzutragen, um Initialstadien für die Heide zu schaffen.

Vorbereitende Planungen

In Vorbereitung der Pflegemaßnahmen wurde das Büro RANA aus Halle/Saale im Februar 2017 beauftragt, auf der Grundlage des vorhandenen Managementplans ein detailliertes Pflegekonzept zu erstellen. Das Konzept soll Angaben zu Insel- und Vernetzungsbiotopen, Pflegemethodik, Technikeinsatz sowie räumlich und zeitlicher Umsetzung beinhalten.