Verjüngungskur für die Schönower Heide

Biotopeinrichtende Maßnahmen zum Erhalt ökologisch wertvoller Offenlandbiotope der FFH- Lebensraumtypen 2320 (Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis) und 4030 (Trockene europäische Heiden) auf dem Gebiet der „Schönower Heide“ 

Um auch zukünftig im NSG und FFH-Gebiet „Schönower Heide“ eine blühende Heidelandschaft zu erleben, kommen in den Wintermonaten 2018/2019 spezielle Plagg- und Choppermaschinen zum Einsatz. Mit dieser Pflegemethode werden oberirdische Pflanzenteile der Altheide inklusive der Rohhumusauflage abgeschoben, um somit wieder gute Aussaatbedingungen für Besenheide-Keimlinge zu schaffen. Die Planung und Durchführung der Pflegemaßnahmen erfolgt in enger Abstimmung der Naturparkverwaltung mit dem Flächeneigentümer, den Berliner Forsten.  

Trockene europäische Heiden und Dünen mit offenen Grasflächen mit Silbergras und Straußgras haben innerhalb Europas einen besonderen Stellenwert. Um den Fortbestand dieser Lebensräume zu sichern, wurden dem Naturpark Barnim 336.294,00 Euro aus dem ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes) bewilligt.

Heiden kommen meist auf armen, äußerst ertragsschwachen Sandböden vor. Diese trockenen, nährstoffarmen Offenlandschaften sind deutschland- und europaweit rar und stellen daher für zahlreiche trockenheits- und wärmeliebenden Arten ein Refugium dar.

Ausgedehnte Heidelandschaften sind ein Ergebnis intensivster Nutzung, die auch für ihren Fortbestand auf eben diese angewiesen sind.

In Brandenburg kommen sie auf ehemaligen Truppenübungsplätzen vor, wo sie durch jahrelange Panzereinsätze, Bodenverwundungen und wiederholte Flächenbrände auf den armen Sandstandorten entstanden.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „Schönower Heide“ zeigten erste ökologische Untersuchungen schon kurz nach Beendigung des Militärbetriebes den hohen Naturschutzwert. Konnten 1992 noch 392 ha dieser Offenlandbiotope festgestellt werden, so waren es 2001 nur noch ca. 204 ha. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht, wie rasant der Gehölzaufwuchs in diesem Gebiet ohne gezielte Pflegemaßnahmen voranschreitet.

Die Gutachter zahlreicher tierökologischer Untersuchungen stimmten überein, dass die Bewahrung des verzahnten Mosaiks unterschiedlicher Sukzessionsstadien der Heide eine Grundvoraussetzung für den Erhalt der vielfältigen Fauna im Gebiet ist.

Zur Erreichung dieser Zielstellung wurden seit 2000 mosaikartig verschiedene Pflegemaßnahmen wie Beweidung mit Schafen, Entbuschung, Mahd und kontrolliertes Brennen und Wildtierbeweidung erprobt.

Die kurzzeitige Beweidung mit Schafen führte nicht zum gewünschten Verbisserfolg. Die Mahd stellte sich als ungeeignet heraus, da von Firmen für eine effiziente Mahd große zusammenhängende homogene Heideflächen benötigt werden. Kontrolliertes Brennen bedeutete einen hohen personellen und organisatorischen Einsatz.

Zur Erfolgskontrolle der Wildtierbeweidung wurde begleitend von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde ein Monitoring durchgeführt. Im Ergebnis des Monitorings wurde geschlussfolgert, dass die Weidetiere einen unterstützenden Beitrag zum Offenhalten der Flächen leisten, doch langfristig zum Erhalt der Besenheidebestände auf weitere gezielte Pflegemaßnahmen nicht verzichtet werden kann.

In der Literatur wird die Lebensdauer von Besenheide mit ca. 25 - 30 Jahren angegeben. Für eine erfolgreiche generative Verjüngung wird empfohlen, dem Boden die jahrelange Rohhumusanhäufung mit Hilfe erprobter Verfahren wie  Choppern (das Abschieben oberirdischer Pflanzenteile inklusive der Streuauflage) oder Plaggen (das Abschieben bis zum A-O Horizont)zu entziehen.

Aufgrund der 25- jährigen Bestände der Besenheide im Gebiet ist im Rahmen des Projektes geplant, mit speziell konstruierten Plagg- und Choppermaschinen die Vegetation mit einer Rohhumusschicht abzutragen, um Initialstadien für die Heide zu schaffen.

Die Ausführungsplanung

Die Ausführungsplanung

Pflegefläche Nord-Ost (Karte: Büro RANA)

Unter der obengenannten Zielstellung verfasste RANA – Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer - ein detailliertes Pflegekonzept, welches zu den bisherigen Methoden für ausgewählte Flächen die Verfahren Plaggen und Choppern aufgriff.

Verfahrensbedingt wurden für den Förderzeitraum nur munitionsberäumte Bereiche innerhalb des 140 ha großen Wildgatters beplant. In den fünf Bereichen wurden Flächen im Umfang von 16 ha ermittelt, auf welchen geplaggt und weitere 11,3 ha, auf welchen gechoppert werden soll. Um eine hohe Strukturvielfalt im Gebiet sowie die Habitatausstattung für Reptilien zu erhalten, werden belassene Gehölze und Stubben, Strukturelemente wie Gräben und Wälle sowie gezielt angelegte Totholz- und Steinhaufen vom Plaggen und Choppern ausgespart.  

 

Umsetzung

Plaggmaschine beim Abtragen der Rohhumusschicht

Sogenannten Plagg-und Choppermaschinen trugen in den Wintermonaten 2018/2019 die älteren Heidepflanzen und die oberste Bodenschicht, den Rohhumus, fachgerecht ab, um für Jungheide wieder gute Aussaatbedingungen zu schaffen. Ca. 20 ha Heideflächen wurden auf diese Weise bearbeitet, so dass sich auf den offenen Flächen wieder Jungheide ansiedeln kann. Erschwert wurden die Arbeiten kurzfristig durch die frostigen Tage. Der Einzug der frühlingshaften Witterung kam sehr gelegen, um ganztägig in der Heide die Plagg- und Choppermaschinen den Rohhums abtragen zu lassen. Im Anschluss wurde der abgetragene Rohhumus auf umliegende landwirtschaftliche Flächen gefahren und dort zur Humusanreicherung eingebracht. Auf diese Weise profitieren die Heideflächen und die Landwirtschaft von diesem Verfahren.